Belarus: Interessante Tatsachen und Statistiken
Nach der Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1991 hat die Republik Belarus eine wichtige Etappe der Herstellung ihrer Staatlichkeit erreicht. Heute ist sie ein sich dynamisch entwickelndes europäisches Land.
Belarus hat als einer der ersten GUS-Staaten die Folgen der Wirtschaftskrise, die durch den Zerfall der Sowjetunion Anfang der 90-er Jahre ausgelöst wurde, erfolgreich überwunden und sein Wirtschaftspotential im Laufe der darauffolgenden Jahre deutlich ausgebaut.
Dank seiner Lage an der Kreuzung der europäischen Handelswege zwischen West und Ost, Nord und Süd ist Belarus ein Knotenpunkt für die Erschließung neuer aussichtsvoller Absatzmärkte in den GUS-Staaten. Dazu tragen das entwickelte Verkehrsnetz, eine stabile innenpolitische Lage, eine niedrige Kriminalitäts- und Korruptionsrate sowie ein starker gesellschaftlicher Zusammenhalt, der keine religiösen oder nationalen Konflikte zulässt.
Das Land verfügt über hoch qualifizierte und verhältnismäßig preiswerte Arbeitskräfte mit guten technischen Fertigkeiten und Arbeitserfahrungen. Die Arbeitslosigkeit 2010 betrug lediglich 0,7%. Nach dem Index der menschlichen Entwicklung, der von der UNO ermittelt wird, befindet sich Belarus auf dem 68. Platz unter 182 Staaten der Welt und liegt damit vor allen GUS-Ländern.
Belarus hat den Weg einer evolutionären Reformierung seiner Wirtschaft gewählt und die Schaffung einer sozialen Marktwirtschaft seiner Entwicklungsstrategie zugrunde gelegt. Die in den letzten Jahren ergriffenen Maßnahmen haben es ermöglicht, im Land einen stabilen Wirtschaftsstandort entstehen zu lassen. Der reale Wirtschaftssektor hat sich kontinuierlich weiterentwickelt.
In den Jahren 2000 - 2009 betrug der Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes durchschnittlich 7,4 % pro Jahr. Das Realeinkommen der Bevölkerung stieg jährlich um 12,2 %, die Anlageinvestitionen um 15,6 %.
Die wichtigsten Eckdaten der Wirtschaftsentwicklung der Republik Belarus in 2010
| Kennzahlen |
2010 im Vergleich zu 2009 (%) |
| Bruttoinlandsprodukt |
107,6 |
| Industrieproduktion |
111,3 |
| Landwirtschaftliche Produktion |
102,0 |
| [Anlageinvestitionen |
116,6 |
Realeinkommen der Bevölkerung |
115,2 |
Außenhandelumsatz, darunter Ausfuhren |
120,5 118,4 |
Seit Ende 2007 realisiert die belarussische Regierung ein umfassendes Reformprogramm, das auf Liberalisierung und Modernisierung der Wirtschaft, Schaffung günstiger Bedingungen für ausländische und einheimische Investoren, Ausbau des Finanzmarktes und Vereinfachung des Steuersystems gerichtet ist. In dieser Zeit wurden in Belarus über 40 Rechtsakte verabschiedet, welche die Konjunktur ankurbeln und den Zufluss von ausländischen Investitionen fördern sollen.
Das Resultat der unternommenen Maßnahmen war die wesentliche Verbesserung des Investitionsimages von Belarus. Nach dem Rating der Weltbank „Doing Business 2011“ nimmt Belarus unter 183 Ländern der Welt den 68. Platz ein. Noch vor drei Jahren musste sich das Land mit dem Platz 115 begnügen.
Die Regierung der Republik Belarus beabsichtigt, den Reformkurs fortzusetzen und eine aktive Liberalisierungspolitik in der Wirtschaft weiterhin zu betreiben. Das strategische Ziel des Landes ist es, in die Top-30 Länder mit den besten Geschäftsbedingungen zu gelangen.
Ein guter Beweis für diesen Kurs ist die Verabschiedung der Direktive des Präsidenten der Republik Belarus Nr. 4 „Über die Entwicklung der unternehmerischen Initiative und Förderung der Geschäftsaktivitäten in der Republik Belarus“. Dieses Dokument, das als ein bedeutender Meilenstein in der Wirtschaftspolitik der belarussischen Führung zu betrachten ist, unterzeichnete das Staatsoberhaupt am 31. Dezember 2010. Es stellt einen Maßnahmenkatalog dar, der auf die weitere Liberalisierung der Geschäftsaktivitäten und auf die Schaffung der Bedingungen für eine nachhaltige dynamische Entwicklung des Staates gerichtet ist. Nach der Tiefe der Schritte, die in der Direktive verankert sind, ist sie als die bedeutendste Rechtsvorschrift im Wirtschaftsbereich der letzten Jahre anzusehen. Jedes der neun Kapitel der Direktive beinhaltet konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft, zur Abschaffung der im unternehmerischen Bereich existierenden Hürden. Eines der Hauptziele des Dokuments ist es, neben der Ankurbelung der Konjunktur die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Belarus sowohl für einheimische als auch für ausländische Investoren zu erhöhen.
Gleichzeitig baut Belarus den gemeinsamen Zollraum mit Russland und Kasachstan auf. Seit 01.07.2010 funktioniert die Zollunion zwischen der Republik Belarus, Russland und Kasachstan als einheitliche Wirtschaftszone. Einem ausländischen Investor eröffnet ein wirtschaftliches Engagement in Belarus einen breiten Zugang auch zu den riesigen russischen und kasachischen Märkten und in der Zukunft zu den Märkten anderer GUS-Länder. Im Rahmen der Zollunion sollen Zollgebühren, Akzisen, Quoten, Lizenzen sowie tarifäre und nichttarifäre Barrieren für den Handel zwischen den Staaten der Zollunion aufgehoben werden.
Die Republik Belarus ist ein Industriestaat, dessen Wirtschaft durch die entwickelten Wirtschaftszweige Metallurgie, Maschinenbau, Chemie-, Erdölchemie-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie gekennzeichnet ist. Die Grundlage des Produktionspotentials des Landes bildet der Industriesektor. Auf ihn entfallen ca. 50 % aller Anlagenfonds, ca. 28 % des BIP und ca. 30 % aller Beschäftigten in der Volkswirtschaft.
Die Orientierung der Wirtschaft am Weltmarkt ist zu einem bedeutenden Faktor für das wirtschaftliche Wachstum für Belarus geworden. Der Anteil der Exporte am BIP des Landes beträgt über 60 %. Die Tatsache, dass Erzeugnisse der führenden belarussischen Branchen (Maschinenbau und Metallverarbeitung, chemische und petrolchemische Industrie, Elektroenergetik, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie, Holzindustrie) auf dem Weltmarkt, darunter auch in der EU, breit präsent sind, liefert einen überzeugenden Beweis für die Wettbewerbsfähigkeit der belarussischen Industrie.
Mit einem Anteil von nur 0,15 % der bewohnbaren Erdfläche und ca. 0,17 % der Weltbevölkerung stellt Belarus über 30 % der Weltproduktion der schwersten Kippfahrzeuge, 11 % der Kalidüngemittel, 8 % der Radtraktoren sowie einen bedeutenden Teil der Mikroprozessoren her. Bis zu 90 % der im Land hergestellten Traktoren und LKWs, metallverarbeitenden Maschinen, Reifen, Motorräder, Fernsehgeräte, Kühlschränke, Kalidüngemittel und Chemiefaserstoffe sowie Textilwaren werden exportiert.
Die traditionell hohe Weltoffenheit der belarussischen Wirtschaft hat das Land bereits am Anfang des Transformationsprozesses zu einer Mehrvektorenpolitik prädestiniert. Das Land, das nach einer Vertiefung der Integration innerhalb der GUS strebt, profitiert gleichzeitig von der internationalen Arbeitsteilung und setzt sich aktiv für den Ausbau der Zusammenarbeit mit den westlichen Partnern ein.
Gegenwärtig unterhält die Republik Belarus Handelsbeziehungen mit über 180 Ländern der Welt. Die größten Handelspartner sind Russland, die Ukraine, Deutschland, Polen, die Niederlande, Großbritannien und China. Der Anteil der EU am Außenhandelsumsatz von Belarus hat sich in den letzten Jahren wesentlich erhöht, wozu auch die Erweiterung der Europäischen Union beigetragen hat. Im Jahre 2010 betrug dieser Anteil über 1/4. Dabei gilt Deutschland seit Jahren als wichtigster Handelspartner von Belarus in Westeuropa.
Die Republik Belarus hat seit Dezember 1992 bei dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und seit dem 1. Januar 1995 bei der Welthandelsorganisation (WTO) einen Beobachterstatus inne. Der Beitritt zur WTO wird als eine Vorrangrichtung der staatlichen Außenwirtschaftsstrategie betrachtet. Dabei wird viel Wert darauf gelegt, die Handelspolitik stufenweise zu reformieren und die tarifären und nichttarifären Regelungen im Außenhandel an die allgemeinen Prinzipien und Regeln der WTO anzupassen.
Die Zusammenarbeit zwischen der Republik Belarus mit den führenden internationalen Finanzorganisationen – dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung – wird auf einer pragmatischen Grundlage ausgebaut.
Gegenwärtig sind in der Republik Belarus mehr als 5000 Unternehmen mit ausländischer Beteiligung (Joint Ventures und Auslandsunternehmen) registriert. An belarussischen Unternehmen beteiligen sich Firmen aus über 80 Ländern der Welt, vorwiegend aus Russland, Deutschland, den USA, Polen, Italien und den Niederlanden. Solche Branchen wie Energiewirtschaft, erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Abfallwirtschaft, Recycling, Bauwesen, IT-Bereich, Logistik, Tourismus und Bankwesen genießen eine zunehmende Popularität bei ausländischen Investoren.
Eine wichtige Rolle spielen bei der Gewinnung von Investitionen und dem Ausbau des Exportpotentials sechs freie Wirtschaftszonen („Minsk“, „Gomel-Raton“, „Grodnoinvest“, „Brest“, „Witebsk“ und „Mogilew“) sowie der 2005 ins Leben gerufene High-Tech-Park, der über zahlreiche Präferenzen und Sonderrechte verfügt.
Interessierten ausländischen Partnern steht eine umfassende Datenbank von Investitionsprojekten sowie Informationen zu den Rahmenbedingungen für ausländische Investitionen in der Republik Belarus im Internet zur Verfügung (www.invest.belarus.by).
Belarus is in the world top ten by relaxing business regulations (.pdf)